Die Cloud verschafft Unternehmen mehr Innovationskraft, Agilität und Effizienz als je zuvor. Doch wohin geht die Reise?

Die Cloud verschafft Unternehmen mehr Innovationskraft, Agilität und Effizienz als je zuvor. Doch wohin geht die Reise?
Container, Machine Learning (ML) und Serverless Computing haben die Zukunft des Cloud Computing geprägt und den Funktionsumfang von Cloud-Diensten enorm erweitert. Diese Technologien bestimmen weiterhin, was in der Public Cloud machbar ist – Amazon hat etwa auf der jüngsten re:Invent Erweiterungen rund um Commodity Machine Learning vorgestellt –, doch schon stehen die nächsten Entwicklungen bereit, um die Grenzen des Möglichen weiter zu verschieben.
Welche Trends zeichnen sich also in der Cloud-Technologie ab und was bedeuten sie für alle, die die Public Cloud nutzen?
Cloud-verwaltete 5G-Netze on-premises
Die Vorteile von Cloud Computing liegen auf der Hand, doch manche Unternehmensanwendungen müssen aus geschäftlichen, rechtlichen oder technischen Gründen on-premises bleiben. Gleichzeitig müssen Unternehmensnetze immer größere workloads stemmen. Kabelgebundenes Ethernet ist unverhältnismäßig teuer, und herkömmliches Enterprise-WLAN bietet weder genügend Leistung noch Zuverlässigkeit oder Abdeckung.
Eine Antwort liegt in der Kombination von 5G-Mobilfunk mit Mobile Edge Computing (MEC). Ein leistungsstarkes privates 5G-Netz mit On-Premises-Cloud-Computing eröffnet großen Unternehmen bislang ungeahnte Möglichkeiten – überall dort, wo schnelle, hochkapazitive und latenzarme Konnektivität geschäftskritisch ist. Das Industrial Internet of Things (IIoT) zählt zu den Bereichen, in denen cloud-verwaltete 5G-Netze on-premises das größte Potenzial entfalten.
Kunden bauen private Mobilfunknetze auf, nutzen die technischen Vorteile von 5G und behalten zugleich die Sicherheit sowie die feingranulare Anwendungs- und Gerätesteuerung eines privaten Netzes.
Anwendungsfälle reichen von der Smart Factory bis zur Unterstützung geschäftskritischer Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen (AR/VR).
Unter den großen Cloud-Anbietern stellt Amazon mit AWS Private 5G einen Managed Service bereit, der Bereitstellung, Betrieb und Skalierung privater Mobilfunknetze vereinfacht – Hardware und Software kommen komplett von AWS.
Cloud-verwaltete Contact Center
Cloudbasierte Contact Center (früher als Callcenter bekannt) speichern Daten in der Cloud und wickeln die Kundenkommunikation übers Internet ab, statt auf On-Premise-Hardware angewiesen zu sein.
Zu den Kerntechnologien eines Cloud-Callcenters zählen typischerweise der Automatic Call Distributor (ACD) und das Interactive-Voice-Response-System (IVR). Weitere Module sind etwa Workforce Management und Analytics. Wie bei vielen cloudbasierten Lösungen liegt der entscheidende Vorteil eines Cloud-Callcenters darin, dass sich Unternehmen auf den Service am Kunden konzentrieren können – statt auf die Technik dahinter.
Zu diesen Vorteilen zählen:
- Einfache Anbindung an andere Geschäftsanwendungen wie ein CRM – per neuem Integrationsmodul mit wenigen Klicks
- Die Skalierbarkeit für saisonale Schwankungen im Anrufaufkommen – ohne Investitionen in zusätzliche Hardware und Software für Lastspitzen
- Der Einsatz von Agenten im Homeoffice, da sie lediglich eine zuverlässige Internetverbindung brauchen
- Ein besseres Kundenerlebnis dank Personalisierung und nahtloser Abläufe, wie sie nur cloudbasierte Technologie ermöglicht
- Bessere Arbeitsbedingungen für Service-Agenten, die sich auf optimierte Prozesse und datenbasierte Echtzeit-Insights stützen können
Zugang zu Quantencomputing
Quantencomputer nutzen die Prinzipien der Quantenphysik, um komplexe Algorithmen zu rechnen und riesige Datenmengen in kürzester Zeit zu verarbeiten. Diese leistungsstarken Rechner lassen sich zur Verschlüsselung elektronischer Kommunikation und zur Stärkung der Cybersicherheit einsetzen.
Für hochkomplexe Probleme – etwa in der Cybersicherheit, der Verfahrenstechnik oder im Banken- und Finanzwesen – schaffen Quantencomputer riesige mehrdimensionale Räume, in denen sich diese vielschichtigen Fragestellungen abbilden lassen. Lösungen werden über Algorithmen ermittelt, die auf Quantenwellen-Interferenz beruhen, und in für Menschen verständlicher Form ausgegeben.
Die Cloud öffnet die Leistungsfähigkeit des Quantencomputings auch für Entwickler ohne eigenen Quantencomputer und lässt sie ihre Quantenalgorithmen auf klassischen Rechnern testen. Über einen herkömmlichen Computer greifen Entwickler auf das Quantum Machine Image (QMI) zu – die virtualisierten Programmier- und Ausführungsumgebungen für die Entwicklung und den Betrieb von Quantensoftware. Der entwickelte Code läuft anschließend auf Quantum Virtual Machines (QVM). Das QMI verarbeitet die vom Lösungsraum an die Quantum Processing Unit gesendeten Informationen und liefert sie an den klassischen Computer zurück.
Quantencomputing wird damit faktisch als Service nutzbar: Cloudbasierte Quantencomputer der Cloud-Anbieter geben Anwendern vom Laptop aus Zugriff auf unterschiedliche Geräte und Simulatoren. Über Quantennetzwerke verteiltes Quantencomputing kann so die Rechenleistung von Quantencomputern erheblich steigern und sogar den Weg für eine Quantum-Computing-Cloud bereiten.
Blockchain auf Kubernetes-Basis
Blockchain ist nahezu zum Synonym für Kryptowährungen geworden, doch das Anwendungsspektrum dieser revolutionären Technologie reicht weit darüber hinaus. Im Kern handelt es sich um ein gemeinsam genutztes digitales Ledger, das Daten in einem öffentlichen oder privaten Netzwerk protokolliert – eine Art der Informationsspeicherung, die praktisch fälschungssicher ist.
Der Anreizmechanismus, mit dem Blockchain-Systeme Nutzer für Aktivitäten im Netzwerk belohnen, macht sie zu einer Schlüsseltechnologie für Sicherheits- und Datenschutzfragen in Edge-Computing-Netzen – also bei Geräten, die als Mittelschicht am Rand des Netzwerks zwischen Cloud-Diensten und lokalen Endgeräten sitzen. Blockchain-Technologie kann Datenautorisierung und -verschlüsselung im Edge-Netz wirkungsvoll steuern und so umfassendere Konzepte für Datensicherheit und -verwaltung umsetzen.
Viele CIOs erwarten, dass Blockchain die Cloud-Branche grundlegend verändern wird, indem sie Informationen dauerhaft sichert – etwas, das aktuelle Cloud-Funktionen nicht leisten. Mit klaren Aussagen zu Speicherort und Zugriff steigt die Cybersicherheit insgesamt. Die heutige Public-Blockchain-Infrastruktur skaliert allerdings nicht für die Speicherung und Verwaltung von Big Data. Hier kommt Kubernetes ins Spiel. Kubernetes ist eine Open-Source-Plattform zur Container-Orchestrierung, die das automatische Skalieren, Bereitstellen und Verwalten containerisierter Infrastruktur ermöglicht. Mit Kubernetes lassen sich Blockchain-Umgebungen schnell skalieren – mehrere parallel laufende Container für zentrale Dienste sorgen für hohe Verfügbarkeit.
Weitere Pluspunkte von Blockchain auf Kubernetes sind die mögliche Service-Interoperabilität zwischen Organisationen mit unterschiedlichen Architekturen, vereinfachte Deployments und unkomplizierte Upgrades. Die Bereitstellung von Blockchain-Netzwerken über Kubernetes-Cluster dürfte sich bald als Standard etablieren, denn sie adressiert sowohl die inhärente Komplexität der Blockchain als auch die Hürden bei der Integration in bestehende Infrastrukturen.
Wie geht es weiter?
Während Unternehmen über die Public Cloud immer neue Wege zu Wachstum und Erfolg finden, blicken Stakeholder gespannt darauf, welche Technologien das Modell als Nächstes weiterentwickeln. Von KI und IIoT bis zu Remote-Arbeitsmodellen – nahezu jede Innovation ist auf Cloud-Computing-Technologie angewiesen, um ihr volles Potenzial zu entfalten.
Und es geht dabei nicht nur um Rechenleistung, Netzwerkgeschwindigkeit oder Speicherkapazität – das sind bloß operative Kennzahlen. Was die Cloud wirklich bahnbrechend macht, ist die Freiheit und Flexibilität, mit der sie Organisationen Großes ermöglicht. Denn der wahre Wert einer Technologie liegt nicht darin, woraus sie besteht, sondern darin, was sie uns möglich macht.