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ML-Kosten mit Azure Machine Learning optimieren

By Joshua FoxAug 22, 20259 min read

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Machine-Learning-Initiativen (ML) zu skalieren, kann teuer werden. Dieser Beitrag beleuchtet typische finanzielle Herausforderungen im ML-Umfeld und zeigt konkrete Strategien, mit denen Sie Ihre Ausgaben über Azure Machine Learning (AML) optimieren. Die Kernbotschaft: Punktuelle Korrekturen reichen nicht – nur ein systematischer Ansatz hält die Kosten dauerhaft im Griff.

MLOps ist teuer

Die hohen Kosten von ML: Warum Ihr Budget unter Druck gerät

Mehrere Eigenheiten der ML-Entwicklung und des ML-Betriebs treiben die Kosten in die Höhe.

  • Moderne ML-Modelle, vor allem im Deep Learning, brauchen riesige Datensätze. Speichern, Übertragen und Verarbeiten dieser Daten schlagen erheblich zu Buche.
  • Die komplexen Algorithmen selbst – etwa tiefe neuronale Netze mit zahlreichen Schichten oder rechenintensive Reinforcement-Learning-Verfahren – verlangen enorme Rechenleistung.
  • Die Abhängigkeit von spezialisierter und knapper Hardware wie GPUs für Training und Inferenz verteuert die Compute-Kosten zusätzlich.
  • ML-Entwicklung ist iterativ. Wiederholtes Re-Training mit unterschiedlichen Hyperparametern, Daten-Splits oder Datensätzen bedeutet, dass jeder Experimentlauf zusätzliche Compute-Kosten verursacht. Ein einziger Hyperparameter-Sweep kann Hunderte einzelner Trainingsjobs auslösen.
  • ML-Entwicklung ist ein komplexer mehrstufiger Prozess: Daten-Ingestion, Bereinigung, Transformation, Training, Hypertuning, Prediction und mehr. Der MLOps-Prozess (Machine Learning Operations) erhöht das Risiko unnötiger Wiederholungen und kostentreibender Operationen.

Kunden fragen mich oft: "Was kostet ein ML-Training?" Meine Antwort: Diese Faktoren können die Kosten in nahezu beliebige Höhen treiben. Einzelne LLM-Trainingsläufe haben über 150 Millionen Dollar gekostet, in der Summe lag das Training im Milliardenbereich. So viel werden Sie nicht zahlen – aber Sie sollten wissen: Eine Obergrenze gibt es nicht.

AML zur Kostenoptimierung

Auch wenn die hier genannten Punkte für alle MLOps-Systeme gelten, hilft AML selbst beim Sparen. Microsofts umfassende cloudbasierte ML-Plattform ist darauf ausgelegt, den gesamten Lebenszyklus von Machine-Learning-Modellen zu vereinfachen – vom Erstellen und Trainieren bis zum Deployment und laufenden Betrieb. AML-Dienste lassen sich einzeln über REST-Schnittstellen nutzen, sind aber zugleich tief miteinander und mit dem breiteren Azure-Ökosystem verzahnt. Dank bewährter, effizienzorientierter Designs setzen Sie ML mit AML günstiger um als im Eigenbau – selbst wenn Sie für die Dienste selbst bezahlen.

Vorgefertigte Modelle wie Large Language Models (LLMs) und Azure Cognitive Services für Vision oder Translation klammere ich hier aus. Sie bieten weniger Stellschrauben und erfordern einen anderen Ansatz zur Kostenoptimierung.

Kostentreiber in der Infrastruktur

Um Kosten gezielt zu steuern, müssen Sie wissen, wo Ihr Budget eigentlich landet. Die wichtigsten Treiber – grob in absteigender Reihenfolge – sind:

  1. Compute: In der Regel der größte Posten. Dazu zählen Rechenleistung (CPUs, GPUs) und Arbeitsspeicher beim Modelltraining sowie beim Ausliefern von Predictions.
  2. Storage: Azure Blob Storage wird intensiv für Datensätze, Modell-Artefakte und Container-Images in der Azure Container Registry genutzt. Die gewählte Storage-Klasse, Redundanzoptionen und das schiere Datenvolumen beeinflussen die Kosten.
  3. Networking: Auch wenn Training und Prediction selbst keine extremen Netzwerkkosten verursachen sollten, summieren sich Gebühren durch Daten-Egress, VNet-Peering, ExpressRoute-Verbindungen und NAT-Gateway-Nutzung. Wer Terabytes an Bilddaten von On-Premises-Storage zu Azure Blob Storage fürs Training überträgt oder häufige Datenflüsse zwischen Microservices in einem MLOps-Workflow hat, muss mit spürbaren Netzwerkkosten rechnen.
  4. Services: Hierzu zählen Gebühren für Azure-SaaS-APIs wie Azure AI Search, Document Intelligence oder Bot Service.

Leitprinzipien für die ML-Kostenoptimierung

Eine FinOps-Denkweise heißt, einige zentrale Prinzipien zu beherzigen.

An erster Stelle steht Waste removal. Architekturentscheidungen – etwa die Wahl des passenden Dienstes – sind wichtig, doch die größten vermeidbaren Kosten entstehen durch Fehlnutzung: GPUs einzusetzen, wo CPUs fürs Training reichen, oder Massen ungenutzter Daten in teuren Blob-Storage-Klassen vorzuhalten.

Zweitens: Standardisieren Sie Ihre Architektur. Das heißt, AML-Dienste zu nutzen – etwa Compute Targets in AML Workspaces fürs Training, statt eigene Flotten von Azure Virtual Machines zu verwalten. Das Azure-Team hat effiziente Systeme gebaut, die Geld sparen: Beim AML-Training zahlen Sie nur für die tatsächlich benötigte Rechenzeit, nicht für VMs, die durchgehend laufen (sofern Sie das Autoscaling nicht selbst übernehmen). Standardisieren bedeutet auch, etablierte Workflows einzuführen – etwa ein Continuous-Training-Muster (CT), bei dem neuer Code oder neue Daten automatisch eine AML-Pipeline anstoßen. So laufen Daten-Ingestion, Training, Verifikation und Deployment genau dann, wenn sie benötigt werden – ohne überflüssige Läufe und ohne so lange zu warten, dass die Prozesse ineffizient werden.

Drittens: nicht überoptimieren – Vorsicht vor der "Illusion der Effizienz". Trainingsdaten aggressiv zu komprimieren, um Speicherkosten zu sparen, kann die Gesamtkosten paradoxerweise erhöhen, weil pro Trainings-Epoche deutlich mehr CPU-Zeit für die Dekompression anfällt.

Vergessen Sie nicht: Die Zeit Ihrer Engineers ist teuer. Stecken Sie keinen übermäßigen Aufwand in Mikro-Optimierungen. Setzen Sie ihre Zeit klug ein und stellen Sie saubere, wartbare Architekturen über punktuelle Optimierungen: Heute lassen sich künftige Anforderungen nicht vorhersagen – aber wenn der Moment kommt, Kosten zu senken, brauchen Sie eine Architektur, in der sich Arbeitszeit gezielt einsetzen lässt.

Und schließlich: Iterieren Sie Ihre Optimierungen und beginnen Sie bei den größten Kostentreibern. Sie können nicht alle Optimierungen in einem Zyklus umsetzen – pflücken Sie also zuerst die niedrig hängenden Früchte und prüfen Sie danach erneut, wo die größten Kosten anfallen.

Das Maximum aus Cost-Analytics-Tools herausholen

Stürzen Sie sich nicht auf den ersten Kostenausreißer, der Ihnen ins Auge springt. Die Zeit, die Sie dafür aufwenden, ist anderswo möglicherweise besser investiert.

DoiT Cloud Intelligence (console.doit.com) bietet Azure-Nutzern leistungsfähige Werkzeuge, um Cloud-Ausgaben zu durchschauen und zu steuern. Sie erstellen Abrechnungsberichte und Dashboards, setzen Budgets und Alerts, erhalten Warnungen zu Kostenanomalien und proaktive Empfehlungen für Einsparungen. Der konsequente Einsatz dieser Tools ist entscheidend, um Trends zu erkennen, Ausreißer aufzudecken und die größten Sparhebel zu identifizieren.

Trainingskosten optimieren

Die Trainingsphase ist meist die ressourcenintensivste – und damit teuerste – Phase im ML-Lebenszyklus. Sie verschlingt große Datenmengen, viel Rechenleistung und zahlreiche Iterationen.

Right-Sizing der Maschinen: Wer die Ressourcennutzung (CPU, GPU, Memory) während des Trainings mit Azure Monitor überwacht, kann fundiert entscheiden. Ist eine High-End-GPU (etwa eine ND-H100-v5-Instanz) durchgängig nicht ausgelastet, lohnt der Wechsel auf eine günstigere Variante (etwa eine NCasT4_v3-VM).

Setzen Sie GPUs nur dann ein, wenn nötig. Ist Ihr Modell nicht GPU-beschleunigt, sind CPU-optimierte VMs (etwa F-Series) wirtschaftlicher. Wenn Sie GPUs nutzen, sollte Ihr Code deren Möglichkeiten voll ausreizen – etwa durch passende Batch-Größen und effiziente Daten-Loading-Pipelines.

Azure Spot Virtual Machines (Low Priority VMs) bringen erhebliche Einsparungen. Für fehlertolerante Trainingsjobs (und Ihre Systeme sollten fehlertolerant sein!) liefern Spot-VMs bis zu 90 % Ersparnis gegenüber Pay-as-you-go-Preisen. Sie eignen sich beispielsweise hervorragend für Hyperparameter-Tuning mit vielen unabhängigen Trials, bei denen das Preempten eines einzelnen Trials den Gesamtprozess nicht gefährdet.

Entwicklungsumgebungen

Für die Entwicklungsphase bieten Jupyter Notebooks oder Visual Studio Code in einem AML Workspace verwaltete, cloudbasierte Arbeitsplätze. Mit Auto-Shutdown-Richtlinien zahlen Sie nur für die aktive Laufzeit – anders als bei einem leistungsstarken Laptop, den Sie 24x7 amortisieren, oder einer VM, die durchläuft, bis Sie ans Herunterfahren denken. Noch mehr sparen Sie, wenn Sie schwere Lasten auslagern: Leistungsstarke Ressourcen in Ihrer Dev-Umgebung bedeuten, dass Sie den ganzen Arbeitstag für ein festes Ressourcen-Set zahlen. Reichen Sie statt eines Trainings im Notebook umfangreiche, langlaufende Trainingsläufe als AML Training Jobs ein, die auf autoskalierten, kosteneffizienten Compute Clusters laufen.

Datenspeicherung

Für MLOps auf Azure ist Azure Blob Storage der Standard für Object Storage. Ich habe Projekte gesehen, die mit einer einfachen lokalen Disk starten und auf Managed Disks wechseln, oder solche, die im lokalen Netzwerk beginnen und auf Azure Files umsteigen – beides ist teuer: Blob Storage ist der ML-Standard und deutlich günstiger. Die Wahl der richtigen Access Tiers (Hot, Cool, Archive) je nach Zugriffshäufigkeit ist essenziell. Lifecycle-Management-Richtlinien automatisieren die Übergänge. Trainieren Sie etwa nur auf neuen Daten, lassen sich alte Daten nach einem Monat automatisch archivieren oder löschen.

Prediction

Nach dem Training stellen Sie Modelle bereit, um Predictions auszuliefern (Inferenz). AML Endpoints sparen Geld, indem sie auf Basis integrierter Metriken automatisch skalieren. Wie beim Training spart auch hier die Wahl der kleinsten ausreichenden Instanz. Model-Co-Hosting bzw. Multi-Model-Deployment erlaubt es mehreren kleineren Modellen, sich dasselbe Endpoint-Deployment zu teilen, und reduziert den Overhead pro Modell – sofern die Modelle häufig nacheinander oder von derselben Anwendung aufgerufen werden. Wird ein Endpoint allerdings nicht genutzt, fährt das Autoscaling die Ressourcen nicht auf null herunter – also schalten Sie ihn selbst ab. Bei einer Inferenz-App mit sehr geringem Traffic skalieren Sie die Endpoints am besten auf null oder deployen sie alternativ in Azure Container Apps oder Azure Functions.

Für nicht echtzeitkritische Anwendungsfälle sind Batch Endpoints deutlich günstiger als Online-Predictions und liefern höheren Durchsatz – allerdings auch höhere Latenz. Die größten Einsparungen ergeben sich, wenn Sie Batch-Größe und die Konfiguration des zugrunde liegenden Compute Clusters optimieren.

Monitoring: Kosten und Performance im Blick behalten

AML-Dienste bringen Monitoring von Haus aus mit – ein weiterer Vorteil gegenüber dem Eigenbau. Das Monitoring senkt Kosten, indem es sicherstellt, dass Sie aus Ihren Ressourcen das Maximum an hochwertigen Modellen herausholen.

Es gibt zwei Arten von Monitoring: Infrastruktur-Monitoring, vor allem über Azure Monitor, das Ressourcennutzung (CPU, GPU, Memory) sowie Trainings-Joblaufzeiten, Prediction-Latenz und QPS verfolgt.

Demgegenüber erfasst Modell-Monitoring modellspezifische Metriken wie den F1-Score. Nach dem Deployment hilft dieses Monitoring, Data Drift, Feature Skew und Prediction Bias zu erkennen, sodass Sie zielgerichtet entscheiden können, wann sich ein Re-Training lohnt. Ein Modell zur Betrugserkennung etwa muss möglicherweise neu trainiert werden, wenn sich Transaktionsbeträge schrittweise verändern oder neue Betrugsmuster auftauchen – aber eben nur dann.

Alles zusammenführen: AML Pipelines

AML Pipelines senken ML-Kosten, indem sie Schritte effizient verzahnen, und kontrollieren Engineering-Kosten, indem sie wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Eine robuste Orchestrierung verhindert unnötige Ausführungsschritte und Datenstaus und erlaubt das Definieren und Verwalten komplexer ML-Workflows. Zu den Funktionen zählen Parallelisierung (Fan-out/Fan-in-Verarbeitung, etwa fürs Hyperparameter-Tuning), bedingte Ausführung (Schritte laufen nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind – etwa ein Modell-Deployment nur bei Überschreiten eines Genauigkeits-Schwellenwerts) sowie Caching bzw. Komponenten-Wiederverwendung (sind Inputs und Code eines Pipeline-Schritts unverändert, wird das gecachte Ergebnis wiederverwendet und Compute eingespart).

Jetzt aktiv werden

ML-Kosten zu optimieren, ist eine fortlaufende Aufgabe – sie verbindet kluge Technologieentscheidungen mit einem belastbaren FinOps-Prozess. Wenn Sie die Möglichkeiten von AML voll ausschöpfen, soliden Architekturprinzipien folgen und Ihre Ausgaben kontinuierlich im Blick behalten, sorgen Sie dafür, dass Ihre ML-Initiativen maximalen Geschäftswert liefern, ohne Ihr Budget zu sprengen. Identifizieren Sie zunächst Ihre größten Kostentreiber und nehmen Sie sich vor, im kommenden Quartal ein bis zwei der hier vorgestellten Strategien umzusetzen. Ihre Bilanz wird es Ihnen danken.